Individuelle Eingewöhnung

Am Anfang steht die individuelle Eingewöhnung – eine große und verantwortungsvolle Aufgabe für alle Beteiligten!
Wir möchten in der Zeit eine vertrauensvolle Basis durch intensive Zusammenarbeit schaffen, um dem Kind den Übergang vom Elternhaus zum Kindergarten zu erleichtern. Besonders bei den unter 2jährigen haben wir bereits die Erfahrung gemacht, dass das Kind wesentlich davon profitiert, wenn wir uns alle den ersten Monat Zeit nehmen, uns langsam, täglich und intensiv aneinander zu gewöhnen. Deshalb beinhaltet der Aufnahmemonat eine ca. 2-4wöchige individuelle Kennenlernphase, in der die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind der Einrichtung und dem Betreuungspersonal näherkommen können. Hierbei wird eine schrittweise „Übergabe“ praktiziert, in der eine zu Beginn feste Bezugsperson sich für Sie und Ihr Kind die notwendige Zeit nimmt, um z.B. Lebens- und Spielgewohnheiten zu erkunden und auch pflegerische Aufgaben wie z.B. Windeln wechseln und gemeinsam zum Schlafen legen mitzuerleben.

Eine mögliche individuelle Eingewöhnung:
Tag 1–3: Mutter und Kind (ca. 1,5 Jahre) sitzen mit der Bezugsperson vorerst für eine Stunde in der Kleinkinderecke. Das Kind sitzt zunächst bei der Mutter und beobachtet die anderen Kinder. Mutter und Bezugsperson unterhalten sich über die Gewohnheiten des Kindes. So erfährt das Kind „meine Mama baut Vertrauen zur Bezugsperson auf – also ist hier ein sicherer Ort“. So nach und nach bietet vorerst die Mutter Spielmaterial an. Das Kind spielt schon etwas, die Erzieherin ist aktiv oder passiv dabei.
Tag 4– 5: Kind bleibt kürzer bei der Mutter sitzen und nimmt auch schon Spielmaterial von der Bezugserzieherin an.
Tag 6–7: Kind spielt mit Bezugserzieherin und Mutter in der Kleinkinderecke. Für kurze Zeit zieht sich die Mutter auch mal aus der Gruppe zurück und kann sich im Eingangsbereich oder in der Küche aufhalten. Dem Kind wird damit vermittelt – „ich kann schon mal kurz mit der Erzieherin alleine spielen, wenn ich meine Mutter brauche, dann ist sie gleich wieder für mich da!“. Mutter gibt dem Kind etwas zu essen. Bezugsperson beobachtet, um vertraute Handgriffe kennenzulernen.
Tag 7–9: Spielsituationen ohne Mutter werden immer länger. Kind bleibt auch schon bis zu 2 Stunden im Kindergarten. Mutter kann bereits für kurze Zeit z.B. spazierengehen. Erzieherin gibt dem Kind gemeinsam mit der Mutter zu essen oder auch schon allein. Bezugsperson schaut beim Windelwechsel zu und erfragt Besonderheiten.
Tag 10: Mutter bleibt immer kürzer in der Kleinkinderecke. Bezugserzieherin wickelt das Kind. Mutter und Bezugserzieherin besprechen die Schlafsituation.
Tag 11–13: Kind bleibt zum ersten Mal zum Schlafen im Kindergarten. Es bringt z.B. eine Decke, Kissen, Spieluhr, Kuscheltier von zu Hause mit. Schlafen wird das Kind erst, wenn es sich wohl fühlt, und vertraute Gegenstände können helfen. Das Kind denkt dann womöglich – „ich bin nicht daheim, aber es riecht wie daheim. Mama ist auch da und kommt wieder, wenn ich aufwache.“ Mutter legt gemeinsam mit der Bezugserzieherin das Kind zum Schlafen. Bezugsperson schaut sich die Rituale der beiden an, damit sie es dann auch so übernehmen kann. Mutter kommt rechtzeitig zum Aufwachen wieder und/oder kann sich z.B. mit einem Buch in die Küche zurückziehen.
Tag 14–20: Die Mutter übergibt das Kind an die Bezugserzieherin. Es erfolgt ein Austausch darüber, wie das Kind geschlafen hat, Befindlichkeit…., dann geht die Mutter und kommt zum Abholen nach dem Schlafen wieder. Wir erzählen der Mutter, was das Kind heute alles im Kindergarten gemacht, was es gegessen hat, wie das Schlafen geklappt hat etc. Ist die Bezugserzieherin zu dieser Zeit nicht mehr da, dann schreibt sie die Vorkommnisse in ein Übergabeheft.

Dies ist eine Möglichkeit der Eingewöhnung. Ein 2,5 Jahre altes Kind wird oft nur 3 Tage von der Mutter begleitet und kann dann schon alleine im Kindergarten bleiben. Die Eingewöhnung läuft bei jedem Kind und für jede Familie individuell ab. Jedes Kind braucht seine Zeit der Eingewöhnung, die wir uns auch gerne nehmen. Zunächst wird das Kind ganz auf seine Bezugserzieherin fixiert sein und so nach und nach wird es sich auch von ihr lösen. Es wird mit anderen Kinder spielen und langsam das Gefühl entwickeln „hier sind alle gut zu mir“. Das bedeutet unter anderem, dass das Kind auch auf andere erwachsene Bezugspersonen selbständig zugehen wird.
Es gibt mehrere Anzeichen, an denen man erkennt, dass ein Kind in der außerfamiliären Betreuung gut und sicher angekommen ist und sich wohl fühlt.
Dazu gehört z.B., dass das Kind:
sich von einer Bezugserzieherin trösten und wickeln lässt,
erste Spielideen hat,
mit anderen Kindern kooperiert,
spontan auf eine Bezugsperson in Erwartung einer Antwort oder einer freundlichen Interaktion zugeht,
bei ihr Unterstützung und Trost sucht,
sich häufig freut, oft lacht und selten weint,
weniger Aggressionen als zugewandtes Sozialverhalten zeigt und auch schon akzeptiert, ein wenig zu warten, bis es an der Reihe ist.

Das Kind kann in der Zeit der Eingewöhnung eine verlässliche Bindung aufbauen, die Grundlage für die ganze Kindergartenzeit ist.
Denn „Bindung ist Vorraussetzung für Bildung!“. Wenn das Kind sich hier wohl und angenommen fühlt, dann wird es sich schrittweise lösen und selbsttätig spielen und lernen.